Benedict Vuilleumier (Autor)
Viele ERP-Projekte starten als Reaktion auf den Druck aus dem Markt oder technologische Not, wie z.B.:
- ? Wachstum oder neue Standorte
- ? Diversifikation von Angebot oder Absatzmärkten
- ?️ Technologische Notwendigkeiten (z. B. ERP-System ist „End of Life“, kein Support mehr)
In der Folge wird ein Anforderungskatalog erstellt, eine System- und Partner-Evaluationen durchgeführt und Angebote verglichen. Doch dabei fehlt oft etwas Entscheidendes: der kritische Blick nach innen.
Ein ERP-Projekte ist kein IT-Projekt – es ist ein Business-Transformationsprojekt
Was wir häufig sehen: Das Projekt wird in der IT-Abteilung aufgehängt. Dabei ist das Business der Hauptnutzer und Hauptbetroffenen. Es sind die Fachbereiche, die Prozesse definieren, mit dem System operativ arbeiten, Stammdaten pflegen und den wirtschaftlichen Erfolg für ein Unternehmen erarbeiten. Die IT liefert die Plattform – aber das Business hat „Skin in the Game“.
Herausforderungen, die wir als Berater in ERP-Projekten erleben:
? Es gibt keinen klaren Business Owner mit Entscheidungskompetenz
? Projekt-Rollen sind nicht definiert oder nicht besetzt
? Es fehlen Ressourcen und Projektkompetenz im Unternehmen
? Anforderungen sind lückenhaft, nicht abgestimmt oder unklar dokumentiert
? Strategische Grundlagen wie eine IT-Strategie oder eine Digitalisierungsvision fehlen
? Die Bedeutung von unternehmensspezifischen Erfolgsfaktoren ist nicht geklärt (z. B. was uns von Mitbewerbern unterscheidet und wie das ins System gehört)
Ist Ihre Organisation „Projekt-ready“?
Ein ERP-Projekt bringt nicht nur ein neues System – es verändert Abläufe, Rollen, Verantwortung und oft auch die Unternehmenskultur. Die zentrale Frage lautet deshalb:
Wie gut ist Ihre Organisation auf ein solches Transformationsprojekt vorbereitet?
Hier einige zentrale Readiness-Faktoren, die wir aus der Praxis empfehlen:
✅ 1. Strategische Verankerung
- Gibt es eine aktuelle IT-Strategie oder Digitalisierungsstrategie?
- Ist das ERP-Projekt Teil eines übergeordneten Transformationspfads?
✅ 2. Klare Governance und Business-Ownership
- Wer ist der Business Owner mit Verantwortung für Scope und Prioritäten?
- Ist die Steuerung des Projekts auf Geschäftsseite angesiedelt?
✅ 3. Ressourcen und Kapazitäten
- Gibt es intern verfügbare Projektleiter, Teilprojektleiter und Key User?
- Wurde das Tagesgeschäft entlastet, um Raum für Projektarbeit zu schaffen?
✅ 4. Projektkompetenz und Methodik
- Verfügt das Unternehmen über Erfahrung mit Projekten dieser Grössenordnung?
- Gibt es klare Rollen, Entscheidungswege und ein etabliertes Vorgehensmodell (z. B. HERMES, SCRUM)?
✅ 5. Dokumentierte Anforderungen & Zielbilder
- Liegen abgestimmte und dokumentierte Anforderungen vor?
- Gibt es ein gemeinsames Verständnis über Sollprozesse und Zielzustände?
✅ 6. Kulturelle Bereitschaft
- Ist die Organisation offen für Veränderungen?
- Werden Mitarbeitende frühzeitig eingebunden und mitgenommen?
? Und Sie?
Welche Faktoren waren für Sie bei ERP- oder Digitalisierungsprojekten erfolgskritisch? Welche „blinden Flecken“ sehen Sie häufig?
Ich freue mich auf den Austausch per Direktnachricht benedict.vuilleumier@acreo.ch