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Business Software | Einführung

03.05.2021

Erfolgreiche Softwareeinführung mit organisiertem Testing, so wird Ihr neues Produkt professionell eingeführt.

 

TESTING - ein Muss für Ihren Projekterfolg

Simon Kunz (Autor)

Bei jeder Softwareeinführung kommt der Punkt, an dem Sie selbst testen müssen. Hier stellt sich die Frage: «Warum überhaupt testen? - schliesslich habe ich ein fertiges Produkt bestellt!»

Ich vergleiche es gerne mit dem Bau einer Immobilie. Sie planen Ihr Objekt, erteilen die Freigabe und es wird gemäss Plan ausgeführt. Am Schluss erfolgt die Bauabnahme. Sie laufen durch Ihr neues Wohnglück und sehen dort einen Kratzer und hier eine Delle. Diese Mängel werden danach von den Unternehmen korrigiert.

Genau das Gleiche passiert bei Ihrer neuen Software. Sie gehen Schritt für Schritt durch das neue Tool und finden Mängel. Für das benötigen Sie ein Konzept welches definiert, Was und Wie Sie testen.

Teststufen und -objekte
Lassen Sie uns von vorne beginnen um ein Gesamtverständnis zu entwickeln. Wo beginnt das Testing und ab Wann werden Sie als Kunde bzw. Kundin involviert? Wir unterteilen das Testing in 5 Stufen: 

  • Unit Test (Testing durch Softwareanbietende
    Der Unit Test erfolgt durch den Hersteller und/oder Ihren Implementierungspartner. Hierbei werden die einzelnen Programmkomponenten, zum Beispiel die Verbuchungslogik in der Finanzbuchhaltung, getestet. 
     
  • Komponenten Integrations-Test (K-IT) (Testing durch Softwareanbietende)
    In dieser Phase wird das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten überprüft. Zum Beispiel, dass bei der Fakturierung die entsprechende Journalisierung und Debitorenbuchung erstellt wird.  – Eine Funktionalität, die bei Ihrem Buchhaltungsprogramm bestehend sein muss und nicht im Detail zu prüfen ist.
     
  • System-Integrations-Test (S-IT) (Testing durch Softwareanbietende & Kundschaft)
    Das erste Testing, welches Sie möglicherweise leisten müssen, ist zwischen der Schnittstelle und den Teilsystemen. Im Speziellen, wenn eine Software von Drittanbietern eingebunden wird. Hier wird die Schnittstelle zuerst durch den Anbietenden geprüft und im Anschluss durch Sie. Eine enge Zusammenarbeit ist hier unumgänglich. 
     
  • Systemtest (ST) (Testing durch Kundschaft)
    Die Systemtests erfolgen grundsätzlich immer durch den Endkunden/in. Dabei wird jedes Modul der neuen Businesssoftware einzeln überprüft. Der Fokus richtet sich auf die Teilsysteme, zum Beispiel die Kreditorenbuchhaltung oder die Zeit- und Leistungserfassung.
     
  • Abnahmetest (Testing durch Kundschaft)
    Der letzte Schritt ist, wie bei der Immobilie, die Abnahme. Das System ist nun fertig und Sie dürfen versuchen und testen. Dazu werden die Teilsysteme übergreifend geprüft. Zum Beispiel wird das Stundensaldo beim Erstellen der Lohnabrechnung kontrolliert.

Testorganisation und -planung
Wir wissen nun, Was und Wann getestet werden soll, doch wie organisiere ich mich am Besten? Folgende Punkte sollten beachtet und definiert werden:

  • Welche Rollen werden für das Testing benötigt?
  • Welche Verantwortungen, Berechtigungen und Aufgaben muss ich den Rollen zuweisen?
  • Welche Ressourcen sind notwendig?
  • Ab wann kann getestet werden?
  • Wie wird das Testreporting sichergestellt?

Zusätzlich zu bedenken ist welche Personen das neue System in welcher Teststufe prüfen werden. Die Einführung eines neuen Tools bedeutet für alle eine Veränderung. Die Umstellung ist nicht für alle leicht, dass sollte bei der Testorganisation auch beachetet werden. Denn das System ist gerade beim Integrationstest und Systemtest oft mit einigen Mängeln versehen. Die Testanwender und Testanwenderinnen müssen deshalb eine hohe Frustrationstoleranz aufweisen und sich der Problematik bewusst sein. Ich empfehle Ihnen diese Personen zusätzlich darauf zu sensibilisieren.

Testfälle 
Das Testing ist organisiert, die Termine stehen, es kann losgehen. Hier sagt der Anbieter: «Bitte schreiben Sie die Testfälle und liefern Sie uns». Ein Satz, der irritieren mag, welcher jedoch seine Richtigkeit hat, wenn es um System- oder Abnahmetests geht. Das Erstellen von Testfällen ist grundsätzlich keine grosse Sache. Wenn Sie bereits bei der Systemevaluation klare Anforderungen definiert haben, sind Sie im Vorteil. Orientieren Sie sich an den Anforderungen und ergänzen diese mit Abnahmekriterien. 

Hier ein Beispiel für Abnahmekriterien
Anforderung ohne Abnahmekriterium:
Das System muss Lohnzahlungen pro Mandant/in mittels automatisiertem periodischem Lohnlauf berechnen, ausgeben und ausführen können.

Testfall mit Abnahmekriterium:
Das System führt periodische Lohnzahlungen aus. 
Dazu 

  • wird der Lohn für eine definierte Periode berechnet und zur Kontrolle ausgegeben.
  • ist ein Lohnlauf (Simulation) pro Periode mehrfach möglich.
  • können im Lohnlauf manuelle Korrekturen angebracht werden.
  • kann der Lohn nach Kontrolle und Bestätigung direkt abgerechnet und verbucht werden. 

Ein weiterer zu beachtender Punkt ist die Reihenfolge der Testfälle. Diese sollte mit dem Anbietenden vorgängig abgesprochen werden. Es erleichtert das Testing und führt zu Effizienzgewinnung.

Zum Schluss ein persönlicher Tipp: Betrachten Sie das Testing als Chance. Wenn ein Mangel nicht frühzeitig erkannt und behoben wird kann es sein, dass Sie sich damit abfinden (müssen), obwohl der Mangel hätte beseitigt werden können. Nutzen Sie deshalb die Chance, investieren Sie ins Testing und erhalten Sie ein Produkt, welches Ihnen Freude bereitet.
 

Abbildung 1 Teststufen &-objekte (Quelle: in Anlehnung an swissQ)